Vom Luxusliner in die Fischstäbchen-Produktion
Projektentwickler und Automatisierer unterstützen sich gegenseitig.
Es finden sich weltweit nur wenige Systeme, die so autark sind wie Schiffe – und dort vor allem Kreuzfahrtschiffe. Sie sind wahre Energie-
und Technikriesen.
An Bord oder an Land? Aufwand und Technik sind beinahe identisch. Bei der Produktion und der Verteilung von Energie in komplexen Anlagen
reicht es heute nicht mehr aus, auf sparsamste Energieverbräuche zu achten. Schon bei der Projektierung und Einrichtung der Energieverteilungssysteme
sowie von Produktions- und Verpackungsstraßen lässt sich durch Energiemanagement sehr viel Geld und Aufwand sparen.
Der durchschnittliche Tagesenergieverbrauch eines einzigen Kreuzfahrtpassagiers während eines Seetages entspricht seinem Zuhause-Verbrauch von
mehr als einer Woche. „Eine Kleinstadt mit 20.000 Einwohnern“, schätzen Elektroingenieure die Tagesenergieerzeugung der Kreuzliner als Vergleich.
Können die Projektentwickler und Automatisierer von Produktions- oder Verpackungsanlagen von den an Bord gewonnenen Erkenntnissen profitieren? Lassen
sich diese Erkenntnisse vielleicht sogar Eins-zu-eins umsetzen? Bei besecke automation fließen Erkenntnisse, die an Bord von
Schiffen gewonnen wurden, derzeit direkt in die Projektierung von Produktionsanlagen. Quasi: Vom Luxusliner direkt zum Fertiggericht oder Fischstäbchen.
Die allermeisten Medien kosten Geld, viel Geld: Strom, Wasser, Kälte, Abwasser, Druckluft und anderes. Die Kosten zu reduzieren, gehört seit vielen
Jahren zu den wichtigsten Aufgaben von Ingenieuren und Controllern. Doch wie steht es um die Kostenrelevanz bei der eingesetzten Hard- und Software?
Die Lürssen-Werft, Weltmarktführer sogenannter Mega-Yachten (damit sind zumeist Schiffe mit mehr als 60 Metern Länge bezeichnet), hat sich mit seinem
Bremer Tochterunternehmen dem Energiemanagement in verschiedenen Testprojekten gewidmet. Ein Kreuzfahrtschiff der Meyer Werft (Maschinenleistung
36.000 Kilowatt mit dieselelektrischem Antrieb) wurde mit entsprechender Hard- und Software ausgerüstet, ebenso ein Lürssen-Yachtneubau. Mit Hilfe
einer Auswertesoftware prüfen Werft und Eigner nun verschiedenste Einsparungsmöglichkeiten. „Die Leistung unseres sehr modular aufgebauten Systems
liegt in der Zusammenfassung der Prozessdaten und der universellen Einsetzbarkeit“, berichtet Stephan Matz von den
Yachtspezialisten bei
besecke.
„Verbräuche messen, Prozessdaten erfassen und einordnen, alle diese Informationen auswerten und steuernd eingreifen“ steht beim Energiemanagement im
Vordergrund. Derzeit werden von Technikern auch in der Nahrungsmittelproduktion die Auslastungen der eingesetzten Technik sowie die Verbräuche erfasst
und beurteilt. Hier stehen neben dem Strom auch Kälte, Druckluft und Wasser auf dem Prüfstand. „Wer fünf Pumpen gleichzeitig einschaltet, produziert
eine Spitzenlast. Wer den Prozess so steuert, dass Spitzenlasten möglichst vermieden werden, spart schon bei der Projektierung und Einrichtung der
Energieverteilungssysteme von Produktions- und Verpackungsstraßen viel Geld“, weiß Steffen Viehweg, der dieses Projekt managt.
Fachkundig und interessiert begleitet wird das Testprojekt des Mittelständlers für ein Praxissemester von Florian Alpers, der an der Hochschule
Bremen im fünften Semester technische Informatik studiert. Er begleitet die Entwicklung, dokumentiert und bewertet die eingesetzte Hard- und Software
und hilft damit den besecke-Praktikern bei der Umsetzung. Für die „Yachties“ im Unternehmen steht auch eine zweite Innovation
im Zentrum ihrer Arbeit:
das Monitoring-System. Dies sorgt dafür, dass sich Eigner und Crew der Mega-Yachten technisch stets auf der sicheren Seite befinden. Bis zu 7.000 Sensorik-Positionen an Bord wollen wahrgenommen, bewertet, dokumentiert und an intuitiv zu bedienenden Operator-Stations übersichtlich visualisiert
sein. Auch dieses Projekt liefert etliche Erkenntnisse, die im Anlagenbau identisch einsetzbar sind.
Der Standard heißt Berufsschifffahrt – das Design an Bord ist Yachtfeeling. Und die Funktionalität entspricht höchsten Ansprüchen und Anforderungen
und ist sehr komplex: An etwa 70 Stationen vom Powermanagement bis zum Brandschutz, von den Tendertüren bis zum PH-Wert des Poolwassers, übernimmt
das System Zustände oder Werte von Tausenden von Sensorikpunkten. Noch während der Bauphase einer
Yacht lassen sich dabei Systemerweiterungen und
Wünsche der Kunden inhouse umsetzen und dank der Erweiterungsfreundlichkeit des Monitoringsystems problemlos implantieren.
„Prozessdaten aus bestehenden Anlagen zu sammeln und auszuwerten hilft uns dabei, unseren Auftraggebern ständig maßgeschneiderte Lösungen anzubieten“,
erklärt Klaus-Jürgen Becker, geschäftsführender Gesellschafter bei besecke. In Bremen, der Markenartikelhauptstadt Deutschlands, profitieren davon
nicht nur die Passagiere und Eigner ganz toller Schiffe, sondern vor allem die großen Nahrungsmittelproduzenten, denen ihre steigenden Energie-
und Projektkosten auf den Nägeln brennen.
Wolfgang Kiesel, Redakteur, für besecke GmbH & Co. KG


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